Das Thema Mobilität bewegt uns! Deshalb stimmen wir in Kürze über unser Positionspapier „Mobilität in Muggensturm“ ab. Umso mehr freuen wir uns über das in der letzten Gemeinderatsitzung vorgestellte Mobilitätskonzept für Muggensturm!

Der Entwurf des Ingenieurbüros Koehler & Leutwein greift die für einen sicheren Verkehr notwendigen Punkte auf und verbindet sie mit Maßnahmen für einen klimaverträglichen Verkehr.
Wir sind gespannt darauf, wie die Bürger*innen-Mitsprache konkret umgesetzt und angenommen wird, welche Teile des Mobilitätskonzepts in Beschlussvorlagen münden und welche Mehrheiten diese Vorlagen im Gemeinderat finden.

Gerne bringen auch wir uns in die öffentliche Diskussion zum Thema ein. Unsere Gedanken und Vorschläge zu einzelnen Bereichen des Mobilitätskonzepts der Gemeinde teilen wir heute und in den kommenden Ausgaben an dieser Stelle mit Ihnen.

Hier geht’s zum Mobilitätskonzept der Gemeinde Muggensturm

Themen

Sicher zu Fuß in Muggensturm

Für eine sichere und attraktive Gestaltung der öffentlichen Räume begrüßen wir es sehr, dass bei allen Maßnahmen zukünftig nicht eine einzelne Verkehrsart, sondern der Mensch im Vordergrund stehen soll. Fußgänger*innen und insbesondere Kinder sind die verletzbarste Gruppe unter den Verkehrsteilnehmenden.

Deshalb unterstützen wir als Schutzmaßnahme die Planung großzügig dimensionierter, barrierefreier Gehwege für den Fußverkehr, die von parkenden Fahrzeugen freigehalten werden. Die Erhöhung der Zahl von Querungshilfen ist eine unmittelbare Sicherheitsmaßnahme und sollte unserer Meinung nach zügig durchgeführt werden, zum Beispiel im Bereich der L67 und der südlichen Hauptstraße. Ebenso sollen besonders schmale Gehwege, wie sie streckenweise an der Hauptstraße und an der oberen Vogesenstraße bestehen, rasch verbreitert werden. Wichtig ist dieser Punkt auch in Hinblick auf den sicheren Weg der Kindergartenkinder zur neuen Kindertageseinrichtung Jona.

Radverkehr fördern!

Wir unterstützen das vorliegende Konzept, in dem die Radwegeverbindungen in das Radwegenetz eingebunden und ausgewiesene Radwege gut verständlich beschildert werden sollen. Unser Wunsch nach mehr Fahrradabstellplätzen wird Rechnung getragen durch die Neuausrichtung bzw. Erweiterung bestehender Systeme, so befürworten wir den Ausbau der Radabstellanlagen vor allem am Rathaus und an der Albert-Schweitzer-Schule. Um in Muggensturm sicher mit dem Fahrrad unterwegs sein zu können, wird unsere Idee der Ausweisung von Fahrradstraßen und die Einrichtung von Radschutzstreifen übernommen. So soll die Bahnhofstraße in Teilen zur Fahrradstraße umgewidmet werden, was nicht nur in Hinblick auf die dortige Grundschule sinnvoll ist.

Im Gewerbegebiet Schleifweg gibt es im Moment für die Mitarbeiter*innen der großen ansässigen Firmen wie z. B. Freiberger, Hartmann und L’Oréal keine Radverkehrsangebote, daher unterstützen wir die dortige Einrichtung von Schutzstreifen. Damit die Radfahrer*innen über die Hauptstraße sicher dorthin kommen, muss eine Gefahrenstelle wie die Bahnhofsunterführung, wo sich der Verkehr auf einer Spur in der Kurve begegnet, durch eine auf die Straße verlegte, ortsauswärts-führende Radspur entschärft werden – das ist unser Vorschlag. Gut finden wir auch unseren schon länger bestehenden Wunsch nach einer Querungshilfe über die Landesstraße L 67 für den Radverkehr vom Parkplatz des Freizeitgeländes in Richtung Schützenhaus.

Vorrangig ist unserer Meinung nach der Bau der fehlenden Verbindung in Richtung Kuppenheim: die Verlängerung des Radweges entlang der L 67 ab der Kreuzung mit der K 3737 über den Friedhof Muggensturm hinaus. Genauso wichtig ist unsere gewünschte Verbesserung der Radwegeverbindung nach Bischweier entlang der K 3737. Viele unserer schon lange anvisierten Verbesserungen für die Sicherheit von jungen und erwachsenen Radfahrer*innen finden sich in diesem Konzept wieder – jetzt streben wir eine zeitnahe Einbeziehung der Bürger*innen an.

Schnell, gut und günstig für alle: ÖPNV verbessern

Baden-Württemberg soll bis 2040 klimaneutral werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen die Fahrgastzahlen im öffentlichen Verkehr bis 2030 verdoppelt werden. Für einen leistungsstarken ÖPNV brauchen wir ein Angebotsausbau und eine Mobilitätsgarantie von 5 bis 24 Uhr. Die Überprüfung des Angebots für Muggensturm ergab eine notwendige Ergänzung und Optimierung des Angebots in den Abendstunden und Schwachlastzeiten (z.B. an den Wochenenden). Wir wollen, dass junge Menschen am Wochenende auch zwischen 1:30 Uhr und 5:00 Uhr die Möglichkeit haben, aus Karlsruhe mit der Bahn nachhause zu kommen und das Auto stehen lassen können. Wir unterstützen die Einführung von Kleinbussen oder Sammeltaxis (On-Demand-Verkehr) für weniger frequentierte Strecken. Dieser Bedarfsverkehr soll von den Nutzer*innen kurzfristig gebucht werden können und von der Gemeinde unterstützt werden. Unsere Idee ist die Erweiterung des Angebots KVV.MyShuttle auf unsere Gemeinde – eventuell gemeinsam mit Nachbargemeinden. Hierbei sind besonders die Querverbindungen z. B. Muggensturm-Bietigheim hervorzuhebe

Betrachtet man den Umkreis der Bahnhaltestellen, so ist festzustellen, dass diese nicht nur im fußläufigen Bereich von 600m unzureichend erschlossen sind. Deshalb ist hier eine Zubringerfunktion per Bus wichtig, ebenso wie die gute Erreichbarkeit mit dem Fahrrad. Wir unterstützen hier das Konzept der Gemeinde für 3 sogenannte Mobilitätsstationen, die alle Mobilitätsformen verknüpfen soll. Das ist insofern wichtig, da Auto und Fahrrad mit dem ÖPNV vernetzt werden soll. Unser weitreichender Wunsch ist natürlich, dass Rad- und Fußverkehr sowie der ÖPNV eine Alternative zur Nutzung des PKW darstellen.

Nur ein attraktiver öffentlicher Personennahverkehr erfüllt seinen Zweck und kann Menschen zum Umstieg bewegen. Deshalb ist eine Stärkung der Zuverlässigkeit (Pünktlichkeit, Anschlusssicherung) genauso wichtig wie eine Beschleunigung des Nahverkehrs und einfache, verständliche und attraktive Tarife und Bezahlsysteme.

Parken in Muggensturm

Bisher haben wir laut Konzept keine Probleme mit dem Parken – das Ergebnis einer Parkraumerhebung von 2017 (Industriegebiet Schleifweg) und 2018 (Altort) sowie von 2023 (Hauptstraße). Nur in den Abendstunden gab es teilweise eine hohe Auslastung, besonders im Industriegebiet im Bereich der westlichen Draisstraße und der östlichen Heinkelstraße. Hier sollte eine Parkzonenregelung eingeführt werden, um zumindest im östlichen Abschnitt des Industriegebiets das Problem von „Fremdparkern“ in der verlängerten Heinkelstraße zu minimieren

Um den Verkehr besser abwickeln zu können und die Verkehrssicherheit insbesondere für Radfahrer und Fußgänger zu erhöhen, sind wir für die Einrichtung von absoluten Halteverboten nördlich und südlich des Rathauses. Hier kommt es regelmäßig zu Problemen im Verkehrsablauf durch parkende Fahrzeuge.

In der Bahnhofstraße ist es sinnvoll, den Straßenraum, besonders vor der Albert-Schweitzer-Schule umzugestalten. In diesem Zusammenhang sollte ruhender Verkehr unmittelbar im Schulbereich ausgeschlossen werden und die Seitenbereiche maximal für Fußgänger ausgebaut werden. Dazu wird es voraussichtlich auch notwendig, die Gehwege von der Fahrbahn baulich abzusetzen, um Bring- und Holvorgänge ausschließen zu können.

Insgesamt gibt es in Muggensturm viele Straßen, die ausreichend breit sind und in denen Stellplätze markiert und langfristig auch Baumquartiere eingerichtet werden können – das sehen wir wegen des Klimawandels als erforderlich und unerlässlich an.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch der Ausbau eines guten, günstigen und praktikablem Carsharing-Angebots, damit die Zahl der notwendigen Parkplätze nicht weiter ansteigt.

Selbstverständlich sollte es sein, dass alle Autofahrer*innen beim Parken auf die anderen Verkehrsteilnehmer*innen Rücksicht nehmen: nicht auf Bürgersteigen parken, Radspuren freihalten und nicht vor Kreuzungen oder Straßeneinmündungen parken – damit ist allen geholfen!

Für mehr Mobilität bei weniger (Auto-)Verkehr!

Wir setzen uns für eine Neuorientierung der Verkehrspolitik ein, in der der individuelle Autoverkehr berücksichtigt, aber keine Vormachtstellung eingeräumt wird. Die Erreichbarkeit von Muggensturm muss verbessert werden – damit es Alternativen zum Auto gibt. Umweltfreundliche Alternativen wie das Fahrrad und der Fußverkehr müssen durch Ausbau der nötigen Infrastruktur gefördert und sicherer gemacht werden. Im Konzept der Gemeinde sollen die Maßnahmen im motorisierten Individualverkehr (MIV) zu einer Entschleunigung und Verstetigung des fließenden Kfz-Verkehrs führen sowie den ruhenden Kfz-Verkehr strukturieren, um Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern zu vermeiden. Einige Straßen in Muggensturm weisen sehr breite Fahrbahnen auf, die Autofahrer dazu verleiten, schneller als die erlaubten 30 km/h zu fahren – dies soll durch geeignete Umbaumaßnahmen geändert werden.

Wir unterstützen diese Vorhaben besonders in Hinblick auf die dadurch häufig entstehenden Gefahrensituationen für Fußgänger und Radfahrer. Dabei ist auch ein Pflanzen von Bäumen angedacht, die sowohl Schatten spenden als auch zum einem deutlich besseren Kleinklima beitragen. Wichtig ist für uns auch, dass im Rahmen des Neubaugebiets Siedlungs- und Verkehrspolitik miteinander verzahnt und aufeinander abgestimmt wird, um unnötigen Verkehr zu vermeiden – und dabei auch gleich besonders die Fußgänger und Radfahrer zu berücksichtigen. Wir wollen keine Verbote des motorisierten Individualverkehrs – sondern die Stärkung der umweltfreundlichen Alternativen, um diese in Muggensturm attraktiv und sicher zu machen.